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Massenunterkunft, Massig Programm, MenschenmassenKT 1

Also zumindest in Berlin war ganz schön was los. Eröffnet wurde der Kirchentag natürlich per Gottesdienst, aber nicht nur mit einem, sondern gleich mit drei Gottesdiensten, die sich vom Ort her als auch vom Konzept unterschieden. Wir besuchten den Gottesdienst in ökumenischer Weite am Brandenburger Tor, welcher von der Pfarrerin und Oberkonsistorialrätin (Berlin) Dr. Christina-Maria Bammel geleitet wurde. Prediger war Dr. Fredrick Oneal Shoo, Leitender Bischof in Arusha/Tanzania. Die Menge tobte förmlich, als die Pfarrerin den Kirchentag offiziell für eröffnet erklärte, dann stürmten alle Richtung Ausgang und zum Abend der Begegnung. Eine Meile an Ständen, die zunächst die Massen mit Essen versorgten. Von Bockwurst, über Suppen aller Art, Currywurst und Kartoffeln mit Quark war wirklich für jeden etwas dabei, zum Nachtisch vielleicht noch 'ne Schale Erdbeeren mit Schlagsahne? Kaum das Essen reingeschlungen, ging es auch ruck zuck zurück zum Brandenburger Tor und dort erneut durch die Rucksackkontrolle - ach ja, das hab ich ganz vergessen, natürlich gab es auch zur Eröffnung Rucksackkontrollen, die gab es fast überall und gefühlt jeden Tag wurden sie intensiver und strenger. Danach bekam man ein farbiges Bändchen an seinen Rucksack und konnte sich einen guten Platz suchen. Am Mittwochabend stand Max Giesinger mit „Der Junge, der rennt“, auf dem Programm und anschließend der Abendsegen mit Licht und Schatten. Danach folgte man einfach der Menschenmasse in Richtung S-Bahn „Brandenburger Tor“ und kämpfte sich dann den Weg zum richtigen Gleis frei.

Meist wartete man eine S-Bahn ab, weil man bei der zweiten bereits weiter vorne am Gleis stand und somit bessere Plätze bzw. bessere Chancen hatte, überhaupt noch Plätze zu bekommen. Nach einer reichlichen halben Stunde kam der Zug endlich an seiner Endhaltestelle „Wannsee“ an und nach 10 min Fußweg war man endlich in der Massenunterkunft, alias Dreilindenoberschule, in deren Klassenzimmern schon die am Nachmittag selbst aufgebauten Isomatten auf ihre geschafften Schlafgäste warteten.

Nach gefühlt 6 Stunden Schlaf machten sich die müden Gemüter auf zur morgendlich erfrischenden Dusche, im 100m entfernten Nachbargebäude. Dort konnte man in den Gemeinschaftsduschen stets den gleichen Leuten einen guten Morgen wünschen. Nach dem Frühstück wurden fix die Rucksäcke gepackt, um schnellstmöglich zur gewünschten Veranstaltung zu kommen. Stets herrschte Panik und Ungewissheit bei der Frage, ob noch genug Platz für uns war. Dieses Schema wiederholte sich eigentlich jeden Abend und Morgen, nur mit dem Zusatz, dass man Tag für Tag geschaffter in die Unterkunft kam und müder wieder aufstand.
Am Donnerstag stand Obama auf dem Plan. Zunächst ging es - nach der Rucksackkontrolle - mit einer Bibelarbeit zu Lukas 1, 39-56 „Maria und Elisabet begegnen sich“ los, währenddessen füllte sich der Platz vor der Bühne hinter dem Brandenburger Tor immer mehr und das Warten auf den Auftritt des ehem. US-Präsidenten wurde immer unerträglicher. Doch dann kurz nach 11 Uhr war es endlich so weit, und die Masse rastete komplett aus. Es ging um das Thema „Engagiert Demokratie gestalten – Zuhause und in der Welt Verantwortung übernehmen“. Dazu stellten abwechselnd Kirchentagspräsidentin Prof. Dr. Christina Aus der Au und Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, Fragen, welche dann abwechselnd Dr. Angela Merkel – ja, die war auch mit von der Partie - oder Barack Obama oder beide beantworteten. Am Nachmittag hieß es bei uns dann über den „Markt der Möglichkeiten“ schlendern, welcher sich in der Messe befand. Diese konnte man recht bequem per S-Bahn innerhalb eine halben Stunde erreichen und dort gab es dann Messestände, soweit das Auge reicht. Am Abend führte uns das Programm wieder zurück zum Brandenburger Tor, um nach der Rucksackkontrolle auf die Wise Guys zu warten.
Am Freitag stand zuerst eine Bibelarbeit von Dr. Eckart von Hirschhausen zu Zachäus und anschließend ein Gespräch mit ihm zum Thema „Humor, Glaube und Heilung“ auf dem Programm. Am Nachmittag schlenderten wir erneut über den „Markt der Möglichkeiten“ und betrachteten die reiche Auswahl an Büchern, Bibeln und Heften an den Büchertischen. Anschließend machten wir uns auf den Weg in die Kirche Neu-Buckow, in der das Musical „Christzilla - Gottes Klon“ von Jens Seipold und Lars J. Lange aufgeführt wurde.
Samstag fuhren wir erst einmal wieder zum Messegelände und besuchten die Bibelarbeit von Dr. Wolfgang Schäuble, erneut zu Zachäus. Danach stand „Viva la Reformation! Best of CSU (Christlich Satirische Unterhaltung)“ auf dem Plan und am Nachmittag ein Schwarzlichttheaterstück - „Lass ab“ -, Reformationen mit anderen Darstellungsformen. Die Angebote fanden kein Ende, der Kirchentag schon. Am letzend Abend war dann erneut ein Profi am Start und mit dem Thema „Was, wenn doch?“ führte Bodo Wartke die Lieder aus seinem neuen Album vor und begeisterte damit so viele Leute, dass das Konzert in die Nachbarhalle übertragen wurde, sodass jeder in den Genuss kam.
Doch ein Großereignis stand noch an. Der Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Es war sonnig, es war warm und es war kein Wölkchen in Sicht. Erneut wurden die Rucksäcke kontrolliert, diesmal aber so streng wie nie zuvor, Deos und Glas mussten den Rucksack verlassen, durften jedoch nach dem Gottesdienst wieder abgeholt werden, insofern das nicht schon jemand anderes gemacht hatte. Mit Müdigkeit und Sonnenbrand verabschiedeten wir uns vom Festgelände in Wittenberg und traten den staureichen Heimweg nach Moritzburg an. Dort wurden die neu gewonnen Erfahrungen zusammen mit den restlichen Kirchentagsbesuchern ausschweifend reflektiert. Was blieb uns aber nun außer Sonnenbrand? Zumindest schmückt jetzt der wunderschöne orange Kirchentagsschal mein Zimmer und erinnert mich an den Bibelspruch, unter dem der Kirchentag stand „Du siehst mich“, 1. Mose 16, 13, außerdem ein ausgebautes Orientierungsvermögen in Berlin-Mitte und ein leerer Geldbeutel. Die Erlebnisse jedoch sind ja aber sowieso unbezahlbar ...

                                                                                                                            Dominik Stöckel

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