Diese alle hielten einmütig fest am Gebet.“ Apostelgeschichte 1,14aHaende 3

Es gibt so viele Möglichkeiten, in Verbindung zu bleiben. Nicht immer ist es die persönliche Begegnung. Mitunter fällt es aus den verschiedensten Gründen schwer, zueinander zu kommen. Umso wichtiger ist es, dass wir Gemeinschaft auf anderen Ebenen herstellen können. Natürlich, man kann sich anrufen, E-Mails schreiben, Grüße mitgeben und so weiter.

Hier soll es aber um das Gebet gehen. Es rückt den Bruder und die Schwester in mein Blickfeld, es stellt intensive Verbindungen her. Das Gebet knüpft Netze der Gemeinschaft, es kommt dem Bruder und der Schwester zu Hilfe. Es lässt mich Anteil nehmen am Dank wie auch an der Klage der Anderen.

Das Gebet ist gleichsam der Blutkreislauf einer geistlichen Gemeinschaft. Es stellt Beziehungen zwischen den Orten und Häusern her. Durch mein Gebet kann ich trösten, aufrichten, die müden Hände stärken. Zugleich kann ich mich selbst besser verstehen lernen. Denn das Gebet für die Geschwister lässt mich von meinen eigenen Problemen für eine Weile Abstand nehmen.

Im Bilde des Blutkreislaufs gesprochen: das Gebet lässt Freude und Leid der einzelnen Glieder durch das Herz Gottes fließen. (Thomas Knittel)

 

 

 

Denn ich hoffe, dass ich bei euch durchreisen und euch sehen kann und von euch dorthin weitergeleitet werde, doch so, dass ich mich zuvor ein wenig an euch erquicke.“ Römer 15,24

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Der Sommer ist die große Zeit des Verreisens. Das mag uns auch daran erinnern, dass Besuche hin und her ein großer Schatz in der Gemeinschaft der Diakone und Diakoninnen sind. Dass man zuweilen ganz spontan bei einem Diakon oder einer Diakonin an der Tür klingeln kann und dabei meistens eine offene Tür und ein offenes Herz findet, sollte nicht aus der Mode kommen.

Der Komfort ist nicht der eines Hotels, aber die herzliche Begegnung ist unschlagbar. Googelt doch einfach mal die Brüder und Schwestern, bevor Ihr auf Reisen geht. Oder nehmt ganz traditionell das Gemeinschaftsverzeichnis zur Hand. Oder steckt es wenigstens in die Fahrradtasche, dann könnt Ihr es rausziehen, wenn der Reifen platt ist und Ihr kein Flickzeug habt. Eine Diakonin oder einen Diakon findet man an so vielen Orten, echte Chancen für erquickende Begegnungen.

Ihr müsst ja nicht drei Tage bleiben, denn dann könnte der Besuch auch lästig werden. (Thomas Knittel)

 

 

 

IMG 20181216 1252383Jesus spricht: „Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.“ Matthäus 23,8

Betritt man das Rektor-Rühle-Haus in Moritzburg, kommt man im Eingangsbereich an diesem Spruch vorbei. Oft geht man daran vorüber, ohne Notiz von diesem Satz zu nehmen. Manche gehen vielleicht auch mit einem Lächeln daran vorbei, denn der Satz klingt schon ein bisschen wie aus einer anderen Welt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil im Brüderhaus durchaus nicht wenige Schwestern leben.

Und doch prägt dieser Satz das Leben und Lernen in Moritzburg. Er prägt den partnerschaftlichen Umgang zwischen Lehrenden und Lernenden auf dem Campus der Hochschule. Er verdeutlicht, dass das Brüderhaus mehr sein will als ein Studienwohnheim. Er steht für das, was Moritzburg im Kern ausmacht, die Verbindung von Bildung und geistlicher Gemeinschaft.

Meister steht für Lehrer (griechisch Didaskalos). Jesus ist natürlich kein Hochschulprofessor, und ein Seminar ist auch keine geistliche Veranstaltung. Aber das Miteinander, die Atmosphäre des Lebens in Hochschule und Brüderhaus sind durch diesen Lehrer geprägt. Wenn man den „Geist von Moritzburg“ beschreiben will, gehört dieser Satz unbedingt dazu. (Thomas Knittel)

 

 

 

Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ Epheser 4,3-6053 GT

Gemeinschaft ist kein Produkt meiner Arbeit. Sie ist Gabe aus der Fülle und sprudelnden Lebendigkeit Gottes. Weil Gott über allen, durch alle und in allen ist, sind alle verbunden. Sie teilen die Hoffnung, glauben gemeinsam und werden durch das Band des Friedens geeint. Steiler kann man es kaum formulieren. Aber wie gesagt, es ist ja keine Leistung, die hier gefordert wird.

Herstellen kann ich solche Einigkeit nicht, aber bewahren kann und soll ich sie. Gemeinschaft ist Berufung und Aufgabe. Sie benötigt schützende Hände, bewahrende Gesten, zugewandte Blicke. Was kann ich der Gemeinschaft geben? Wo will ich sie schützen? Wem kann ich in Zerreißproben verbindlich und verbindend beistehen?

Gemeinschaft braucht Bedachtsamkeit. Sie ist zu kostbar, um leichtfertig preisgegeben zu werden. (Thomas Knittel)

 

 

 

Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ 1. Korinther 10,16-17

IMG 20181216 1258158Am Gründonnerstag gedenken wir der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus Christus. Er gibt sich in Brot und Wein. Im biblischen Verständnis bezeichnet der Begriff „Leib“ die Person in ihren schöpfungstheologischen Bezügen, also zu Gott und den Mitgeschöpfen hin. Der Leib Christi gewährt und ermöglicht personale Gemeinschaft und er nimmt die Glaubenden in diese Gemeinschaft hinein. Er schenkt Leben, dafür steht der Begriff „Blut“. „Tod“ als Gegenbegriff zu „Leben“ bezeichnet hingegen nach biblischem Verständnis die Beziehungslosigkeit.

Das Abendmahl ist die Gabe der gewährten Gemeinschaft. Es entreißt den Menschen der Beziehungslosigkeit und macht ihn neu zum Geschöpf Gottes. Es spricht mir die Versöhnung zu und lässt mich Teil der Person Jesu Christi werden. Teilhabe am Leben, Teilhabe an der Gemeinschaft der Geschöpfe, Teilhabe an der Kirche als dem Leib Jesu Christi. Manche reiben sich an der Kirche, aber doch dürfen sie Teil haben und Teil nehmen an der geistlichen Gemeinschaft, die aus dem Brot und dem Kelch quillt. (Thomas Knittel)

 

 

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ 1. Mose 1,27

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Mit der Bezeichnung des Menschen als „Ebenbild Gottes“ beschreibt die Bibel die Berufung zur Gemeinschaft. Er ist bestimmt, zum Gegenüber Gottes und der Mitgeschöpfe zu werden. Er ist berufen zur Verantwortung, ein Begriff der in sich kommunikativ ist. Antwort gibt der Mensch auf das, was ihm gesagt wird. Weiterhin ist der Mensch zur Partnerschaft befähigt. Er soll nicht für sich bleiben.

Im März richten wir unseren Blick auf das „Erwachen“ der Schöpfung aus dem Winterschlaf. Dazu passt, dass der Mönch Beda Venerabilis im 8. Jahrhundert den 18. März des Jahres 3952 vor Christus als ersten Schöpfungstag berechnet hat. Andere haben eher den 25. März als Tag der Weltschöpfung betrachtet. Aber es geht ja nicht um Kalenderfragen, wenn die Bibel von der Schöpfung spricht. Es geht darum, dass die Welt aus Gottes Gemeinschaftswillen hervorging und dass die Berufung der Geschöpfe im partnerschaftlichen Miteinander liegt. (Thomas Knittel)

 

 

Jesus betet zum Vater: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ Johannes 17,20-21

009 ZW RZIm Prozess des Nachdenkens über die göttliche Dreieinigkeit gelangte die christliche Theologie zu der Unterscheidung zwischen der „ökonomischen Trinität“ und der Wesenstrinität. Die „ökonomische Trinität“ beschreibt die dreifaltige Wirkung Gottes, die sich als Schöpfung, Erlösung und Heiligung zusammenfassen lässt. Der Begriff „Wesenstrinität“ meint hingegen, dass Gott in sich selbst dreieinig ist. Sein inneres Wesen ist Liebe und Kommunikation. Gott ist einer, und doch hat er in sich ein Gegenüber. Aus dieser innergöttlichen Gemeinschaft entspringt sein Wirken als Schöpfer, Erlöser und Geist. Die Gemeinschaft, die Gott in sich trägt, wirkt gewissermaßen überschäumend.

In seinem Gebet drückt es Jesus so aus: Die Einheit von Vater und Sohn ist die Quelle der Gemeinschaft der Glaubenden. Die Gemeinschaft der Glaubenden ist eine Gemeinschaft über die Zeiten und Generationen hinweg („die durch ihr Wort an mich glauben werden“). Als Gemeinschaft geben die Glaubenden Zeugnis von Gottes überschäumender Liebe und rufen die Welt zum Glauben.

In seinem Buch „Gemeinsames Leben“ schreibt Dietrich Bonhoeffer: „Christliche Bruderschaft ist nicht ein Ideal, das wir zu verwirklichen haben, sondern es ist eine von Christus geschaffene Wirklichkeit, an der wir teilhaben dürfen.“ (Thomas Knittel)

 

 

 „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34,15pyramide

 

Ob Zufall oder nicht, die Jahreslosung für 2019 fällt mit dem 50. Geburtstag der alten Friedenshymne zusammen: „All we are saying is give peace a chance.“ Es war Ende Mai 1969 in Montreal, als John Lennon zu einigen Reportern sagte: "Alles, was wir sagen ist, gebt dem Frieden eine Chance." Daraus entstand spontan das gleichnamige Lied.

Auch heute noch liegt der Friede vor uns. Wir blicken auf ein neues Jahr, von dem wir vermutlich nicht viel Friedvolles erwarten. Der Psalm ruft in Erinnerung, dass der Friede nicht von uns aus hergestellt wird. Er ist eine Gabe, die wir ergreifen dürfen, durchaus zupackend, aber eben zugleich als Empfangende. Friede als Gabe und Aufgabe, beides kommt in der Jahreslosung gut zum Ausdruck.

Ein schöner Kontrapunkt zu den vielen Turbulenzen, die das Weltgeschehen prägen. Von Gott gesetzt. Psalm 34 beginnt mit dem Gotteslob. So soll auch unser Jahr damit beginnen. „Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich.“ (Jesaja 9,5-6) Lasst die Weihnachtspyramide noch etwas laufen und nehmt den Schwung ihrer Flügel mit in das Jahr. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden. (Thomas Knittel)

 

 

 


12 Dezember smallGutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. 
Psalm 23,6



Meine Berufung zum Diakon war eine Weichenstellung für mein Leben. Auch im Ruhestand höre ich nicht auf, in dieser Berufung zu stehen. In der Rückschau sehe ich vieles klarer und vor allem mit großem Dank.
Ich habe den Hirten immer wieder auf frischer Tat erfahren. Er hat mich geleitet und begleitet, in manchen Situationen geistlich und leiblich erfrischt. Straßen hat er mir gebahnt und auch manches Mal Trost gespendet. Manchen Tisch hat er mir gedeckt, war Beistand in Bedrängnissen, hat mir Türen aufgetan.
Und so möchte ich ihm danken für das reiche Maß an Gnade und Bewahrung. Ich möchte ihn bekennen vor den Menschen und selbst in seinem Sinne wirken. Bleiben darf ich und will ich in seiner Gnade. (Thomas Knittel)

 

 

 


Ich ken
ne deine Bedrängnis und deine Armut, du bist aber reich.  Offenbarung 2,9

11 November smallDas Klagen ist verbreitet. Immer fehlt scheinbar das Wichtigste. Alles ist eng und karg. Die Zeiten sind nicht üppig. Aber waren sie das je einmal? War Kirche jemals ohne Sparzwänge? Wenn ich die Lebensläufe mancher unserer verstorbenen Brüder oder Schwestern lese, dann komme ich immer wieder ins Staunen darüber, unter welchen Bedingungen sie damals gearbeitet haben. Wohnungen gab es kaum. Dienstwege wurden vielfach zu Fuß oder mit dem Bus zurückgelegt. Personal war auch damals knapp. Es fehlte an vielem. Du aber bist reich. Reich an Begabung, an erfahrener Barmherzigkeit, an Ideen, an göttlichem Beistand. Du bist reich an biblischen Worten, die dich ein Leben lang herausfordern. Du bist reich an Menschen, die du durch Christus kennenlernen konntest. Reichtum ist keine Frage der Geldbörse. (Thomas Knittel)

 


Desgleichen sollen die Diakone ehrbar sein, nicht
doppelzüngig, keine Säufer, nicht schändlichen Gewinn suchen.  1. Timotheus 3,8

10 Oktober small„Wenn Christen saufen ist das eine Schweinerei.“ So sprach einer meiner Theologieprofessoren einst im Universitätsgottesdienst. Ich gestehe, dass ich darüber ein bisschen lachen musste. Denn solche Moralität ist mir fremd.
Gleichwohl möchte ich nicht aufhören, auch solche Texte wie den „Diakonenspiegel“ in der Bibel zu lesen. Ich tue mich schwer damit, aber gerade darum gehören sie dazu. Mein Reim, den ich mir auf diese Bibelstelle gemacht habe, ist der: Diakoninnen und Diakone bezeugen das Wort Gottes auch mit ihrem ganz alltäglichen Leben. Sie können nicht wirklich zwischen Beruf und Privat trennen. Sie werden daraufhin beurteilt, ob sie verlässlich, lauter und ohne Profitstreben sind. Ich denke an Petrus, der die bekannten Worte zu Jesus sprach: Bin ich das, Herr? (Thomas Knittel)

 


09 September small
Es sind v
erschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.  1. Korinther 12,4-6

Als die Korinther sich über den Gebrauch der Charismen stritten, erinnerte sie Paulus an deren Ursprung aus dem einen Gott. Die Gaben Gottes eröffnen verschiedene Funktionen und Rollen in der christlichen Gemeinde. Aber es ist der eine Geist Gottes, der durch sie wirkt. Ebenso sind die Wahrnehmungen des Dienstauftrages vielfältig, aber der Ursprung im Dienen Jesu ist allen gemeinsam. Es wirken viele Kräfte, aber der Schöpfer gebraucht sie in derselben Richtung, nämlich zum Aufbauen. Gaben, Dienst und Schöpfung entspringen aus dem einen Gott. Will man sie auseinanderdividieren, verursacht man einen Riss in Gott selbst. Gott kann solche Schluchten freilich überbrücken. Gott kann zerrissene Gewänder flicken. Er kann verbinden, was unversöhnt ist. Aber immer wieder strapazieren wir seine Bindekraft, wenn wir Gräben aufreißen, Hierarchien konstruieren und Vorurteile pflegen. Gut, dass er seine Kirche bislang nicht aufgegeben hat. (Thomas Knittel)