Johannes IMG 6610 400So steht geschrieben bei Johannes im 13. Kapitel:
Christus spricht: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.

Liebe Gemeinde,

ich erinnere mich gern an eine Tagung der Ausbildungsleiter Evangelischer Diakonen­häuser Deutschlands 1992 in Rom. Nach Rom führen ja alle Wege, aber nicht alle Tage. Insofern war die Reise schon etwas Besonderes.

Wieder zu Hause entwickelt man dann all die inneren Bilder und Eindrücke. Ganz obenauf lagen in der Rückschau allerdings nicht der Petersdom oder das Kolosseum, sondern ein Vortrag des Waldenser Theologieprofessors Paolo Ricca. Er sprach zu dem Thema „Jesus als Diakon" und formulierte Sätze, so prägnant und provokativ, dass man sie nicht vergessen konnte. Er sagte: "Wir kennen Jesus unter vielen Gesichtspunkten: als Herrn, als Erlöser, als Retter, als Propheten, als Wundertäter, als Offenbarer, ... als wahrer Gott, als wahrer Mensch, als Weltrichter und so weiter. Nur, als Diakon kennen wir ihn nicht!" Und doch sei "Diakon" für Jesus nicht eine Bezeichnung unter anderen gewesen, sondern der "Hoheitstitel", den er am meisten geliebt habe.

Aber – so fuhr Ricca fort – „tatsächlich rufe die Kirche Jesus nie als Diakon an! Das sei kaum zufällig. Jesus, der Diakon, sei vergessen worden, weil er verdrängt worden sei. Und er wurde verdrängt, weil die Kirche nicht Diakonin sein wollte. Sie war bereit, Diakonie zu betreiben und hat es getan. Und zwar mit Ernst, Liebe und großem Einsatz. Aber sich als Leib eines Diakons zu verstehen, das vermochte sie nicht."

Ja, Diakonie betreiben mit Ernst, Liebe und großem Einsatz – das tat die Kirche von Anfang an. Das bestätigte ihr sogar der heidnische Schriftsteller Lucian von Samosata, als er im 2. Jh. über die Christen schrieb: "Ihr Meister hat ihnen befohlen sich zu lieben – und sie tun es auch!" Was als Spott gemeint war, gerät hier zum größten Lob für die junge Christenheit. Denn sie war darin dem Beispiel Christi gefolgt. Für Martin Luther habe Christus mit der Fußwaschung seinen Anhängern ja nichts anderes als das Gebot der Liebe gegeben. Keine Gesetze oder viele Bücher – allein das Gebot, seinen Nächsten in Liebe zu dienen.
Was Lucian also verspottete, war gewissermaßen die Fußwaschung der frühen Kirche an der damaligen Gesellschaft. Denn in einer anderen damaligen Quelle wird berichtet: „Die Witwen missachten sie nicht. Die Waisen befreien sie von dem, der sie misshandelt. Wer hat, gibt neidlos dem, der nicht hat. Wenn sie einen Fremdling erblicken, führen sie ihn unter ihr Dach und freuen sich über ihn wie über einen leiblichen Bruder.“
Die Segensspuren solcher Diakonie ziehen sich durch die gesamte Kirchgeschichte bis hin auch zu unserer Moritzburger Diakonengemeinschaft. Diakonie betreiben mit Ernst, Liebe und großem Einsatz ist wahrlich viel wert.

Die Provokation von Paolo Riccas Referat aber war die Erkenntnis, dass Kirche nicht nur Diakonie treiben, sondern Diakonin sein soll, so wie Christus in allem Diakon gewesen sei. Diakonie also nicht als Arbeitszweig unter anderem, sondern als Daseinsform. Als Diakon predigte Christus, als Diakon heilte er, als Diakon führte er Gespräche – und als Diakon beschritt er den Kreuzesweg. In all dem sei Christus Diakon gewesen. Man könne ja mit allem sogar herrschen, fügte Paolo Ricca hinzu, sogar mit der Liebe!
Mit allem auch herrschen? Sogar mit der Liebe? Alle horchten auf – auch ich. Plötzlich ging es nicht nur um Handlungen, sondern um Haltungen und Motive! In der Tat: Ich kann in all meinem Tun und Reden auch ganz bei mir sein, bei dem guten Gefühl, gebraucht oder anerkannt zu werden. Vielleicht nicht ganz so selbstbezogen wie König Lear, der zu seinen Töchtern spricht: „Alles habe ich euch gegeben, alles seid ihr mir schuldig“. Und vielleicht auch nicht so krass wie die alten Germanen, die in ihrer Sprache nicht einmal ein Wort für „dienen“ oder „Demut“ hatten, die sprachlich zusammengehö­ren, – so sehr grenzten sie diese Gesinnung für sich aus.

Wie sollen wir also dem Beispiel Christi folgen mit unseren so zwiespältigen Motiven und gar nicht so eindeutigen Haltungen?

 

Lukas IMG 6609 400Liebe Gemeinde, in Nah und noch näher hier in der Kirche,

da gibt es so einen mittelmäßig guten Witz, in dem ein bibeltreuer Mensch Wegweisung fürs Leben sucht.
Er bittet Gott, dass der ihn konkret anspricht durch ein Bibelwort.
Dann schlägt er mit geschlossenen Augen die Bibel auf, ziemlich am Anfang, und liest bei Mose: Nimm deinen einzigen Sohn und opfere ihn auf einem Berg.
Weil er aber auf dem flachen Land lebt, denkt er, das kann nicht die richtige Botschaft sein, schlägt die Bibel nochmal auf, sein Finger liegt bei Matthäus 27, und dort steht über Judas: Und er erhängte sich.
Auch das kommt ihm komisch vor, Gott ist ja ein lieber Gott und aller guten Dinge sind Drei.
Darum schlägt er nochmal nach und liest:  Nun gehe hin und tue desgleichen.

Wir sehen, das willkürliche Herauspuzzlen biblischer Botschaften kann uns an Grenzen bringen, auch an die unserer Existenz. Und doch wird im großen Befund biblischer Bilder eine Haltung deutlich, die Glaubende entwickeln können – Diakone und Diakoninnen umso mehr.

Die Sache mit dem Barmherzigen Samariter ist so ein Klassiker zur Begründung diakonischen Denkens.

Lukas, der diakonische unter den Evangelisten, wie Thomas Knittel am Philippus-Institut gern lehrt, zeigt dabei besonders die Verbindung aus Herz – Haltung – Handlung auf. Lukas hat gern die im Blick, auf die die anderen sonst nicht so schauen, und holt sie vom Rand mitten in die Mitte.

In der Geschichte heute finde ich vier diakonische Grundhaltungen: 

1. Es war ein Mensch. Es geht um den Menschen.

Da ist einer, der braucht Hilfe und ist schon halb tot. Und da sind fromme Leute, die wissen müssten, was zu tun ist und was sich um Gottes Willen gehört.  Doch die tun nichts und gehen un-erhört weiter. 

Und ich frage: Bin ich’s, Herr?

Abgesehen von einer sozial erwünschten Antwort kann ich mir da gar nicht so sicher sein, dass ich es nicht bin

  • Wie oft habe ich es eilig und ach so viel zu tun, der Kalender ist voll und ich bin spät dran, da möge mir nichts in die Quere kommen und schon gar keiner, der offensichtlich Zeit braucht, Geld und Energie.
  • Vielleicht haben der Priester, der Levit oder ich auch ein gutes Hemd an –

und wer will schon seine weiße Weste mit Blut beschmieren oder mit Dreck, dann guckt man schnell weg und wäscht seine Hände in Unschuld nach Pilati Entwurf.

Doch dann hält doch jemand an – ein Fremder, den keiner leiden kann. Ein Nichtchrist vielleicht, ein Nichtdiakon, einer, der nicht in meine Sozialblase passt. Ausgerechnet dem tut der Leidende leid, es barmt ihm das Herz – und er tut barmherzig das, was in Gottes Namen zu tun ist.
Jesus hat hier in seiner Geschichte klar den Menschen im Blick und nicht ein Dogma.
Ganz diakonisch.

 

 

Markus IMG 6606 400Liebe Einsegnungsgemeinde und v. a. Sie, liebe Schwestern und Brüder, die Sie heute berufen und eingesegnet werden in das Amt als Diakonin und Diakon – und in die Gemeinschaft!

Ich freue mich und bin dankbar, dass Sie heute hier sind – und diesen Berufungsweg gewählt haben. Mit Ihnen gestalten wir lebendig Zukunft in unserer diakonischen Kirche in der Welt. Und Sie sind Teil der Gemeinschaft Moritzburger Diakon_innen, die Ihnen Raum gibt, sich für Ihren Beruf zu vergewissern.
Sie haben sich entschieden und sagen JA, in die Nachfolge Jesu zu gehen. Und dafür empfangen Sie heute den Segen Gottes für Ihren Dienst.

Mit der Predigt soll ein Thema des Berufs bedacht werden und Mut und Zuspruch geben. Der Predigttext heute fordert heraus, sich gleich klar für eine Haltung zu entscheiden, wie der Dienst als Diakon_in gelingt in Gemeinde, Gemeinschaft, Kirche und Welt. Und die Haltung gilt für alle „Hierarchie-Ebenen“, in der wir mit anderen arbeiten, egal in welchem Beruf oder Ehrenamt.

Um verantwortlich Handeln geht es. Der Text nimmt die zentrale Frage des Dienstes als „Diakonos“ auf: das verantwortliche Dienen. Gerne möchten wir so unseren Beruf ausüben. Und gleichzeitig ist es immer wieder eine Herausforderung. Wenn ich einer Sache richtig gut gedient habe, dann war es meist erlebbar stimmig/richtig; egal ob genau das rausgekommen ist, was ich mir vorgestellt habe.

Gerade in den ersten Jahren des Berufes wissen Sie ganz sicher, dass Sie dienen möchten, und haben viele gute Ideen, was Sie tun können! Ich wünsche Ihnen viel Freude und Glück dafür. Und dass der Heilige Geist sie immer wieder mit Feuer durchdringt zu neuen Schritten in Ihrem Dienst.

Der Text gibt eine Anregung dafür, wie das miteinander geht. Und welche Haltung dafür gebraucht wird. Das fordert heraus!

Schauen wir mit Markus auf Jesu Worte: Mk 10, 42-45: Jesus rief die Jünger zu sich und sprach zu ihnen:

Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. (Mk 10,43b - Schwerpunkt der Auslegung)
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Um was geht es hier? Welches Verständnis möchte Markus erwirken? Der Hintergrund: Die Mächtigen sind die Römer. Sie herrschen im Land und ermöglichen den Menschen keine guten und einfachen Lebensbedingungen. Die Menschen auf dem Land sind arm, haben wenig fruchtbares Land und Rechte. Diese Herrschaft macht ohnmächtig und wird gewaltsam durchgesetzt. Das ist ungerecht.
Mit Jesus haben die Menschen eine andere Erfahrung gemacht. Er handelt anders, auch machtvoll für das Leben und das Miteinander, und bewirkt Veränderung in den Menschen. Die Gleichnisse Jesu geben Anregung und Identifikation für Denken und Handeln – für eine verantwortliche Haltung. Auch die Mächtigen müssen sich damit auseinandersetzen und sind angefragt.
Das macht den Menschen im Volk Mut! Die Bewegung um ihn ist groß geworden. Sie hoffen auf Jesus als den Befreier aus dieser Herrschaft.
Aber Jesus weiß, dass ihn der Tod erwarten wird. Er macht sich trotzdem auf nach Jerusalem und hofft, dass sein Wirken Funken und Samen in die Menschen gelegt hat. Er vertraut, dass seine Botschaft über den Kreuzestod weiterträgt.

 

 

Matthäus IMG 6605 400Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Ame Lasst uns in der Stille um den Segen der Predigt bitten.

Der Predigttext ist ein Satz aus dem Matthäusevangelium im 23. Kapitel: Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.

Liebe Schwestern und Brüder,

der Predigttext muss Ihnen vertraut sein. Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Wenn Sie ins Brüderhaus kommen, steht er links oben im Eingangsbereich auf einer Holztafel. Genauer muss ich sagen, er steht nicht im Vater-Höhne-Haus, auch nicht im Rektor-Schumann-Haus. Er steht im Rektor-Rühle-Haus. Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.

Ich stelle mir nun einen stillen Beobachter vor, der das Gehabe seinerzeit im Brüderhaus ein paar Tage beobachtet hätte, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wer denn hier nun der eine, der Meister ist. Er hätte ganz schnell gewusst, wer der Meister ist, nämlich der Herr Rektor. Der Herr Rektor war ganz eindeutig herausgehoben aus dem Kreis der Brüder. Er war eben ein höheres Wesen. Das zeigt sich schon daran, dass einer aus dem brüderlichen „Du“ ausgenommen war. Er war eben der Herr Rektor.


Zu Beginn meines Dienstes in Moritzburg meinte ich ja, das sei noch ein alter Zopf, wie die Tatsache, dass wir eine Brüderschaft bildeten. Nein, im Kreise der Brüderhausvorsteher­konferenz erfuhr ich dann, dass das fast überall so war. Der Herr Rektor oder der Herr Vorsteher oder der Herr Direktor, klar, alles Männer, waren mit der Anrede „Sie“ in ihrer Brüderschaft unterwegs.

Das erlebte ich gleich am Anfang meines Dienstes ganz hautnah. Ich war damals 39 Jah­re alt, noch recht jung für einen „Herren Rektor“. Ich besuchte den Bruder Tümpel in Lößnitz zu seinem 75. Geburtstag, spielte ihm auf der Trompete ein Lied und fand Einlass. Ich überreichte meine Blumen und dann entspann sich ein köstliches Gespräch. Er redete mich klar mit Du an und so erwiderte ich auch in der Du-Form. Dann sah er mich an und fragte: „Wer bist Du denn dann in Moritzburg?“ Ich antwortete in aller Gelassenheit: „Der Vorsteher, der Rektor!“ Da sprang Bruder Tümpel auf, nahm militärische Haltung an und erklärte: „Da muss ich ja „Sie“ zu Dir sagen!“ Wir lachten beide und setzten nun das Ge­spräch natürlich in der Du-Form fort, wenn wir auf diesem Weg zueinander schon einmal so weit vorangeschritten waren. Ich merke es manchmal jetzt noch, wenn ich als Nicht­mehr-Vorsteher, als Alt-Vorsteher meinen Brüdern und Schwestern begegne. Manchen fällt es schwer, mich in den Kreis derer aufzunehmen, die das brüderliche Du untereinan­der gebrauchen, nun das geschwisterliche Du.


 

Predigt beim Livestream-Gottesdienst anstelle des TdE 2020c Richter Gemeinde 600
über Psalm 103,2
am Sonntag, dem 13.9.2020, in der Kirche Moritzburg

von Thomas Knittel

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Ihr Lieben! „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Über diesen Satz aus den biblischen Psalmen möchte ich heute mit Euch nachdenken. Gott gebe uns ein offenes Herz für sein Wort.

Es klingt jetzt vermutlich komisch, aber ich habe zu Beginn dieses Jahres begonnen, meine Lebenserinnerungen aufzuschreiben.

Anlässe gab es dafür verschiedene, ein wesentlicher war ein Besuch in Herrnhut. In der Herrnhuter Brüdergemeine gibt es eine besondere Ordnung, die noch aus den Zeiten der Gründung der Gemeinde stammt. Fast dreihundert Jahre ist das her. Jedes Gemeindeglied soll bis spätestens zum 50. Geburtstag einen geistlichen Lebenslauf verfassen. Darin soll der eigene bisherige Lebensweg als ein Weg mit Gott reflektiert werden. Wenn dieses Gemeindeglied dann stirbt, wird der von ihm verfasste Lebenslauf bei der Beerdigung vorgelesen.

Mir hat dieser Gedanke gefallen, dass man nicht nur die Daten des Lebens auflistet: geboren, eingeschult, ausgebildet, beruflich tätig als … sondern, dass man versucht, dahinter zu schauen, dieses Leben zu verstehen. Wie kam das eigentlich, was meine Geschichte geprägt hat? Welche Rolle hat Gott darin gespielt, ohne, dass mir das im Moment des Erlebens immer bewusst war? Interessanterweise war ich zu diesem Zeitpunkt auch gerade am Beginn der 50er und dachte also: jetzt wird es Zeit.

Und so fing ich mit dem Schreiben an, einzelne Kapitel zu verschiedenen Themen, auf Fortsetzung angelegt. Ich habe mich zum Beispiel an meine Konfirmation erinnert, an meinen Vater oder an die Zeit, als ich Gitarre spielen lernte. Ich habe mir auch die Losung meines Geburtstages angeschaut und gestaunt, wie gut dieser Bibelvers zu meinem Leben passt. Das hatte ich noch gar nicht gesehen.

 

Gedanken zum Lehrtext in den Herrnhuter Losungen für Freitag, den 3. April 2020

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8-9)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

besondere Zeiten fordern uns zu einem besonderen Handeln heraus. Eigentlich hätte ich heute die Andacht im Bachhaus und im Seniorenzentrum gehalten. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise ist das leider nicht möglich.

Trotzdem soll die Andacht nicht einfach ausfallen. Vielmehr stelle ich sie hiermit in anderer Form zur Verfügung.

Licht. Wie wichtig das Licht ist, habe ich erst letztens wieder sehr deutlich bemerkt. Ich hatte ein paar Tage Urlaub. Verreisen war nicht möglich. Im Fernsehen wurde mir gesagt: Das Beste ist, du bleibst zu Hause. Und so dachte ich, es wäre mal wieder an der Zeit, ein Puzzle in Angriff zu nehmen. 1000 Teile. Puzzle 400Das war sicher etwas kühn, denn ich muss zugeben, ich habe mehr als eine Woche (deutlich über die Urlaubszeit hinaus) gebraucht, um das Puzzle fertigzustellen.

Und das, obwohl ich über Tage hin beinahe Tag und Nacht daran gearbeitet habe. Das Puzzle, welches übrigens eine Alpenlandschaft abbildet, erwies sich dadurch als sehr schwierig, dass die einzelnen Teile sich immer wieder verdächtig ähnlich sahen. Auch von ihrer Form her waren sie oft nicht eindeutig, so dass ich immer wieder unsicher sein musste, ob ich das richtige Teil an der richtigen Stelle eingepasst hat. Dazu kamen auch noch die Lichtverhältnisse, die das Vorankommen manches Mal erschwerten. Es gab Zeiten, da habe ich gefühlte zehn oder fünfzehn Minuten nach einem bestimmten Teil gesucht. Manchmal habe ich den Tisch, auf dem meine Puzzleteile ausgebreitet waren, näher ans Fenster gerückt. Aber schon hatte die Sonne sich weiter bewegt oder sie war schließlich untergegangen.

Man müsste einfach mehr Licht zur Verfügung haben, dann würde es vielleicht schneller gehen. Wie oft habe ich diesen Gedanken in mir bewegt. Hinzu kam mein schlechtes Gewissen, denn meine Frau hatte ihr Puzzle, das sie parallel zu mir „bearbeitet“ hatte, längst fertig. Und nun wollte sie mir natürlich helfen, was aber mit meiner Abneigung gegen Mitwirkende beim Puzzlen kollidierte. Zusammengefasst: eine ziemlich angespannte Situation, obwohl es eigentlich Urlaub sein sollte.


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ 2. Korinther 13,13

Am Ende des Jahres richten wir noch einmal den Blick auf Gott in seiner Dreieinigkeit. Aus ihm nahm das Jahr 2019 seinen Ursprung und zu ihm führt es uns hin. Und so wie Jesus und der Vater und der Geist eine Einheit bilden, so gehören auch die Gnade und die Liebe und die Gemeinschaft zueinander. Alle drei entspringen aus Gott selbst, auch wenn sie sozusagen an unterschiedlichen Stellen aus ihm heraustreten.

Die Liebe steht dafür, dass mein Leben von meinem Schöpfer her gewollt und anerkannt ist. Die Gnade steht dafür, dass Jesus mir beisteht, wenn ich nichts mehr zu beanspruchen habe. Die Gemeinschaft steht dafür, dass der Geist ein großer Netzwerker ist, dass er Menschen und Dinge permanent in Beziehung zueinander setzt.

Wenn wir in diesem Jahr über Gemeinschaft nachgedacht haben, so möge am Ende der Wunsch stehen, dass diese nicht ohne Liebe und Gnade bleiben möge. (Thomas Knittel)WIN 20181210 18 17 24 Pro

 

 

 

„Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“  1. Johannes 1,7

Laubeinsatz

In manchem sind die Sachsen eigen, wie man weiß. Zum Beispiel sind sie derzeit die Einzigen, die den Buß- und Bettag als Feiertag haben. Aber das liegt vermutlich nicht an ihrer besonderen Frömmigkeit oder Bußfertigkeit. Vielleicht ist es eher einer der Zufälle, aus denen Geschichte eben auch besteht. Vielleicht ist der Bedarf an Buße auch hierzulande besonders groß, man weiß es nicht.
Auf jeden Fall werden die Chancen der Buße nicht selten verkannt. Man will ja nicht das Gesicht verlieren oder das eigene Scheitern eingestehen. Aber im Grunde ist es doch wohltuend, endlich mal wieder aufzuräumen. Es geht dabei gar nicht so sehr um moralische Fehler. Sünde ist im Kern die Verweigerung von Gemeinschaft, das Sich-Abkapseln, Vertrauen aufkündigen, auch das Verkennen der eigenen Grenzen. Die Sünde verfinstert das Leben. Darum tut das Licht gut, wenn ich es zulasse. Die Buße stärkt die Gemeinschaft und ermöglicht Versöhnung und Neuaufbruch. Sie ist heilsam und wohltuend. Sie ist kein Handelsgeschäft, wie Martin Luther zurecht betonte. Sie ist eine Haltung fröhlicher Ehrlichkeit, wo auch die eine oder andere Träne gewiss dazugehört. (Thomas Knittel)

 

 

 

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Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ 
1. Korinther 10,16-17

Am Gründonnerstag gedenken wir der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus Christus. Er gibt sich in Brot und Wein. Im biblischen Verständnis bezeichnet der Begriff „Leib“ die Person in ihren schöpfungstheologischen Bezügen, also zu Gott und den Mitgeschöpfen hin. Der Leib Christi gewährt und ermöglicht personale Gemeinschaft und er nimmt die Glaubenden in diese Gemeinschaft hinein. Er schenkt Leben, dafür steht der Begriff „Blut“. „Tod“ als Gegenbegriff zu „Leben“ bezeichnet hingegen nach biblischem Verständnis die Beziehungslosigkeit.

Das Abendmahl ist die Gabe der gewährten Gemeinschaft. Es entreißt den Menschen der Beziehungslosigkeit und macht ihn neu zum Geschöpf Gottes. Es spricht mir die Versöhnung zu und lässt mich Teil der Person Jesu Christi werden. Teilhabe am Leben, Teilhabe an der Gemeinschaft der Geschöpfe, Teilhabe an der Kirche als dem Leib Jesu Christi. Manche reiben sich an der Kirche, aber doch dürfen sie Teil haben und Teil nehmen an der geistlichen Gemeinschaft, die aus dem Brot und dem Kelch quillt.

(Thomas Knittel)

 

 

 

Denn Makedonien und Achaia haben eine Gabe der Gemeinschaft beschlossen für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem.“ Römer 15,26

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Paulus hat in den Gemeinden Griechenlands eine Kollekte für die Christen in Jerusalem gesammelt. Diese Sammlung hatte für ihn nicht allein eine materielle Bedeutung, sie war auch nicht nur eine soziale Geste der Barmherzigkeit. Schon allein das wäre freilich viel gewesen. Aber die Kollekte hatte für Paulus auch noch eine geistliche Bedeutung. Sie brachte gleichsam die weltweite Verbundenheit der Glaubenden zum Ausdruck. Sie drückte die Gemeinschaft aus, welche Menschen miteinander haben, die durch ihre Taufe zu Jesus Christus gehören. Eine Gemeinschaft, die auch dann besteht, wenn man sich gar nicht persönlich kennt.

In diesem Sinne wird auch in unseren Gottesdiensten heute das Dankopfer als Teil des Gottesdienstes gesammelt. Es ist mehr als die Spende am Ausgang der Kirche. Es ist ein Zeichen für die verbindende Zugehörigkeit zum Leib Christi. (Thomas Knittel)

 

 

 

Diese alle hielten einmütig fest am Gebet.“ Apostelgeschichte 1,14aHaende 3

Es gibt so viele Möglichkeiten, in Verbindung zu bleiben. Nicht immer ist es die persönliche Begegnung. Mitunter fällt es aus den verschiedensten Gründen schwer, zueinander zu kommen. Umso wichtiger ist es, dass wir Gemeinschaft auf anderen Ebenen herstellen können. Natürlich, man kann sich anrufen, E-Mails schreiben, Grüße mitgeben und so weiter.

Hier soll es aber um das Gebet gehen. Es rückt den Bruder und die Schwester in mein Blickfeld, es stellt intensive Verbindungen her. Das Gebet knüpft Netze der Gemeinschaft, es kommt dem Bruder und der Schwester zu Hilfe. Es lässt mich Anteil nehmen am Dank wie auch an der Klage der Anderen.

Das Gebet ist gleichsam der Blutkreislauf einer geistlichen Gemeinschaft. Es stellt Beziehungen zwischen den Orten und Häusern her. Durch mein Gebet kann ich trösten, aufrichten, die müden Hände stärken. Zugleich kann ich mich selbst besser verstehen lernen. Denn das Gebet für die Geschwister lässt mich von meinen eigenen Problemen für eine Weile Abstand nehmen.

Im Bilde des Blutkreislaufs gesprochen: das Gebet lässt Freude und Leid der einzelnen Glieder durch das Herz Gottes fließen. (Thomas Knittel)

 

 

 

Denn ich hoffe, dass ich bei euch durchreisen und euch sehen kann und von euch dorthin weitergeleitet werde, doch so, dass ich mich zuvor ein wenig an euch erquicke.“ Römer 15,24

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Der Sommer ist die große Zeit des Verreisens. Das mag uns auch daran erinnern, dass Besuche hin und her ein großer Schatz in der Gemeinschaft der Diakone und Diakoninnen sind. Dass man zuweilen ganz spontan bei einem Diakon oder einer Diakonin an der Tür klingeln kann und dabei meistens eine offene Tür und ein offenes Herz findet, sollte nicht aus der Mode kommen.

Der Komfort ist nicht der eines Hotels, aber die herzliche Begegnung ist unschlagbar. Googelt doch einfach mal die Brüder und Schwestern, bevor Ihr auf Reisen geht. Oder nehmt ganz traditionell das Gemeinschaftsverzeichnis zur Hand. Oder steckt es wenigstens in die Fahrradtasche, dann könnt Ihr es rausziehen, wenn der Reifen platt ist und Ihr kein Flickzeug habt. Eine Diakonin oder einen Diakon findet man an so vielen Orten, echte Chancen für erquickende Begegnungen.

Ihr müsst ja nicht drei Tage bleiben, denn dann könnte der Besuch auch lästig werden. (Thomas Knittel)